Im April hatten wir den Gegensatz „gerade – schräg“.
„Gerade trifft schräg“ (Mario Heide)
Das Foto zeigt, wie schnell eine geometrische Ordnung kippen kann. Eigentlich geraden Schatten werden durch die Konturen von Gesicht und Hals zu markanten Schrägen und Kurven. Ein simpler Effekt, der die Dreidimensionalität erst richtig sichtbar macht: Die Linie ist eben nur so gerade wie der Untergrund, auf dem sie liegt. (Mario Heide)
Hartmut Gräfenhahn
Aus schräg wird gerade, aus gerade schräg – es kommt auf die Perspektive an. ((Hartmut Gräfenhahn)
Wolfgang Siedler
Wozu benötigt man eigentlich Treppen? Genau! Sie überwinden mit dem Geraden das oder besser „die“ Schräge. Und zwar so lange, bis das Schräge so steil wird, dass die Treppe immer länger und länger werden muss oder eine Leiter benötigt wird.
So kommt das Gerade zum Schrägen – am Beispiel einer Treppe aus der UNI Bielefeld. (Wolfgang Siedler)
Im März galt es, den Gegensatz „nah und fern“ fotografisch umzusetzen.
Mario Heide
Für das aktuelle Monatsthema „nah – fern“ habe ich, sicherlich nicht überraschend, mit Schärfentiefe und Perspektive experimentiert. Das Ergebnis ist eine abendliche Aufnahme aus der sächsischen Landeshauptstadt. Allerdings ein Beitrag mit einem unerwarteten Augenzwinkern.
Weit im unscharfen Hintergrund (fern) sorgt die echte Dresdner Frauenkirche im Lichterglanz für eine atmosphärische Tiefe und ein weiches Bokeh. Den scharfen Vordergrund (nah) dominiert hingegen ein klassischer Souvenir-Magnet, der die Wahrzeichen der Stadt auf wenigen Zentimetern komprimiert.
Der besondere Reiz dieses Bildes liegt jedoch nicht nur im visuellen Kontrast, sondern in einem kleinen, amüsanten Detail: Wer den scharf fokussierten Text im Vordergrund genau betrachtet, stellt fest, dass die Qualitätskontrolle bei der Produktion wohl recht fern war. Aus Dresden wurde kurzerhand DERSDEN.
So bekommt das Thema „nah – fern“ durch diesen unfreiwilligen Rechtschreibfehler noch eine ganz eigene, humorvolle Ebene.
Hartmut Gräfenhahn
Das Diptychon zeigt das gleiche Motiv, einmal in Naheinstellung und dann in der Ferneinstellung. Zwei unterschiedliche Bilder.
Die Gastbeiträge von Agnes Schulz und Wolfgang Siedler.
Agnes Schulz
Es spielte (wieder einmal) der Zufall eine Rolle. Beim gestrigen Gang an die Elbe stieß ich fast an eine, in einer Weide aufgehängte, Brille – sicher als Fundstück gedacht. Sie wäre auch noch brauchbar gewesen.
Wolfgang Siedler
Good Vibrations: The Beach Boys mit dem Supersong „Kokomo“.
Aruba, Jamaica, ooh, I wanna take ya
Bermuda, Bahama, come on, pretty mama
Key Largo, Montego, baby, why don’t we go?
Jamaica
Ach – so fern von hier!
Ich stehe hier – in Bielefeld (in Bielefeld!)!
So nah bei mir!
Das Gegensatz-Thema für April 2026 lautet „gerade – schräg“. Mario und ich freuen uns auf eine rege Beteiligung.
Mario und ich haben uns für den Februar 2026 das GEGENSATZ-Thema „tot – lebendig“ gestellt. Da unsere Jahreschallenge auch eine Mitmachaktion ist, an der sich alle Fotointeressierten beteiligen können, haben sich mit Agnes und Wolfgang zwei weitere Fotografierende an unserer fotografischen Challenge beteiligt.
Foto: Mario Heide
Mario Heide: Auf einem Friedhof begegnen sich Tod und Leben. Ein massiver Grabstein steht dort als festes Symbol für das, was vergangen ist. Direkt an seiner Oberfläche wächst eine Pflanze unaufhaltsam nach oben. Mich hat dieser unmittelbare Gegensatz zwischen dem harten Stein und dem Lebendigen, der Pflanze, fasziniert. Sie umschließt das Denkmal und sucht sich ihren Weg über das raue Material. Hier treffen die Begriffe „Tot“ und „Lebendig“ ohne Umwege aufeinander. Das dunkle Muster der Blätter hebt sich deutlich vom grauen Hintergrund des Steins ab. Es ist eine ruhige Szene, in der die Natur sich ihren Platz Stück für Stück zurückholt. Dieses Miteinander zeigt sehr anschaulich, wie eng beides an diesem Ort verknüpft ist.
Foto: Hartmut Gräfenhahn
Hartmut Gräfenhahn: Eine vertrocknete Apfelscheibe ist für mich tot und lebendig gleichzeitig. Das Fruchtfleisch ist tot, beherbergt aber die Samen, die das Symbol für die lebendige Eigenschaft sind. Der Kreislauf des Lebens.
Foto: Agnes Schulz
Agnes Schulz: Vorhin drehte ich meine übliche Gartenrunde und ich wurde fündig. Im Herbst hatte ich die Iris radikal zurückgeschnitten und gilbendes Laub entfernt und die Rhizome blieben auf der Erde liegen. Die vorjährigen Rhizome sterben ab, nachdem sich in regelmäßigen Abständen zwei neue entwickelten und den Fortbestand der Pflanze sichern. Wildwuchs gibt es nicht, alles wächst nach einem bestimmten Schema. Dieser Austrieb war mir mal im Herbst aufgefallen und letztens befand er sich noch unter dem Schnee.
Foto: Wolfgang Siedler
Wolfgang Siedler: Tod und Leben verbrauchen viel Raum im menschlichen Denken. Ein wissenschaftliches Forschungsobjekt und die gesamte ökonomische Ausrichtung hängen daran.
In der Natur ist das völlig anders. Tod und Leben finden die gleiche Bedeutung und die gleiche Wertschätzung – soweit das von der Natur überhaupt so wahrgenommen werden kann.
Bei meinen Wanderungen erlebe ich beides gleichwertig und voneinander profitierend – wie der Baumpilzes zeigt, der lebt und vom Tod – des Baumes – profitiert.
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Für den März 2026 lautet das GEGENSATZ-Thema „nah – fern“. Jeder kann sich mit einem Foto, das im März 2026 fotografiert wurde, beteiligen.
Mario (alias linsen-suppe.de) und ich haben uns für eine ganzjährige Fotochallenge 2026 verabredet. Unser Grundthema ist „Gegensätze“. Im monatlichen Wechsel werden wir uns dazu Unterthemen als Monatsaufgabe stellen.
Im Januar 2026 bin ich an der Reihe und ich habe den Gegensatz „Langsam – schnell“ vorgegeben.
Mario Heide:
Der Monat vergeht schnell, wenn die Tage zum Fotografieren noch sehr kurz sind. Neben der Umsetzung des Themas habe ich mir auch ein paar grundsätzliche Gedanken gemacht. Das angekündigte Beispiel mit einem schnellen Zug vor einer Schnecke lässt sich im Januar schwer realisieren.
Ein Zug hat mich dann aber doch inspiriert. Auf einer Zugfahrt schaue ich in die verschneite Landschaft. Die schnelle Bahn wirbelt den Schnee auf. Nahe Bäume rauschen vorbei. Entfernte Bäume stehen dagegen fast still am Horizont.
Baumfahrt (Mario Heide)
Ja – das Bild ist eher „künstlerisch“. Es ist nicht scharf und nicht perfekt. Dieses Jahr werde ich mich nicht scheuen, alternative Bilder zu posten. Perfekte Bilder gibt es in Zeiten von Bildgenerierung durch KI genug.
Schnell – langsam (KI Gemini)
Nicht falsch verstehen – ich finde das künstliche Ergebnis technisch sehr gut. Warum die Schleimspur jetzt aber auch vor der Schnecke ist und warum ich im Januar schon warme und grüne Landschaften sehe? Dies lässt sich mit spezifischeren Angaben bei der Generierung vermeiden oder nachbessern. Es bleibt aber ein künstliches Bild …
… und von Hartmut und mir gibt es auch in 2026 „echte Bilder“. Diese dürfen sich gern von den noch so schönen KI-Bildern unterscheiden, an die wir uns alle gerade durch deren ständige Präsenz in den Medien gewöhnen.
Hartmut Gräfenhahn
Überholen im Linksverkehr in Sri Lanka (Hartmut Gräfenhahn)
Langsam – schnell. Das sind die ersten zwei Gegensätze, die Mario und ich uns zur Januaraufgabe für die Gegensatz-Fotochallenge gestellt haben. Zwei Eigenschaften, die relativ sind. Was ist langsam, was ist schnell? Ein Flugzeug ist schnell, gemessen an einem Fußgänger. Langsam aber im Vergleich zu einem Kometen. Daher habe ein Motiv fotografiert, das die Relation in einem Bild darstellt. Der langsame Holzlastwagen, der sich die Steigung hochquält, wird von einem schnelleren Auto überholt.
Für den Februar 2026 hat Mario das Thema „Tot – lebendig“ vorgegeben. Wer möchte, kann sich gerne beteiligen (redaktion@fotomaniker.de).